Schilddrüsenerkrankungen

Schilddrüsenerkrankungen

Die Schilddrüse ist ein etwa walnussgroßes, schmetterlingförmiges, hormonproduzierendes Organ, das unterhalb des Kehlkopfes der Trachea (Luftröhre) aufliegt. Die Schilddrüse bildet aus Jod- und Eiweißbausteinen zwei lebenswichtige Hormone mit den Bezeichnungen Trijodthyronin (T3) und Tetrajodthyronin (Thyroxin, T4). Diese Hormone haben eine ganz zentrale Bedeutung für den gesamten Stoffwechsel des Körpers.

Bei den Schilddrüsenerkrankungen müssen zwei verschiedene Arten von Erkrankungen unterschieden werden:
  • Gewebeveränderungen: Hier wächst beispielsweise das Schilddrüsengewebe zu einem Kropf (Struma) und/oder es haben sich Knoten gebildet. Eine solche sogenannte morphologische Störung kann auch ohne eine Funktionsstörung wie Über- oder Unterfunktion auftreten. Allerdings können sich aus den Gewebeveränderungen weitere Erkrankungen entwickeln, z. B. eine Überfunktion oder sehr selten eine bösartige Erkrankung.
  • Funktionsstörungen: Hier ist eine hormonbildende Funktion der Schilddrüse aus dem Gleichgewicht geraten. Sie produziert zu viel oder zu wenig Hormon: so entsteht eine Über- oder Unterfunktion. Hierfür gibt es verschiedene Ursachen, unter Anderem chronische Entzündungen der Schilddrüse.
Gewebeveränderungen:

Kropf (Struma), Knoten oder beide zusammen sind bei Weitem die häufigste Schilddrüsenerkrankung in der Bevölkerung. Etwa ein Drittel der Erwachsenen hat solche Gewebeveränderungen, oft ohne davon zu wissen.

Unter einem Kropf (Struma) versteht man eine vergrößerte Schilddrüse. Meist entsteht eine Struma durch unzureichende Jodzufuhr über eine längere Zeit. Häufig wandelt sich ein Teil des Gewebes knotig um. Solche Knoten können sich zwar auch in einer normal großen Schilddrüse bilden, sie finden sich jedoch häufiger in einer zur Struma vergrößerten Schilddrüse. Ein Jodmangel kann also langfristig auch die Ursache für Knoten sein.

Bei den Knoten unterscheidet man heiße und kalte Knoten.

Heiße Knoten bestehen aus überaktivem Gewebe, das verstärkt Jod aufnimmt und unkontrolliert Schilddrüsenhormon bildet. Sie arbeiten unabhängig von der körpereigenen Kontrolle und werden daher als autonome Knoten bezeichnet. Langfristig lösen heiße Knoten meist eine Schilddrüsenüberfunktion aus.

Kalte Knoten sind inaktiv: es handelt sich also um Gewebeanteile, die kein Jod aufnehmen und keine Schilddrüsenhormone produzieren können. Dies kann gealtertes Gewebe mit Narben sein, zum Teil mit kleinen Verkalkungen oder gutartige Tumore. Auch entzündliche Prozesse können so in Erscheinung treten. Die allermeisten kalten Knoten sind ebenfalls gutartige Veränderungen. Nur in seltenen Fällen kann sich hinter einem kalten Knoten ein bösartiger Tumor verbergen.

Beschwerdebild bei Vergrößerung der Schilddrüse:
  • Schluck- oder Atembeschwerden, Kloßgefühl
  • Sichtbare Schwellung am Hals
Funktionsstörungen der Schilddrüse:
  • Überfunktion: Bei einer Schilddrüsenüberfunktion wird der Körper mit zu vielen Schilddrüsenhormonen überschwemmt, die alle Organsysteme übermäßig ankurbeln. Eine Überfunktion wird am häufigsten durch heiße Knoten oder eine Basedow’sche Erkrankung ausgelöst.
  • Beschwerden bei Überfunktion: Herzrasen, erhöhter Puls, Gewichtsabnahme, Schwitzen, Zittern, Unruhe, Nervosität, Haarverlust, Durchfall
  • Unterfunktion: Bei einer Unterfunktion werden in der Schilddrüse zu wenig Schilddrüsenhormone gebildet und der Körper ist unzureichend damit versorgt. Dieser Mangel führt zu einer Verlangsamung der Körperfunktionen. Die häufigste Ursache bei Erwachsenen ist die sogenannte Hashimoto-Thyreoiditis, eine spezielle Form der Schilddrüsenentzündung. Auch nach Schilddrüsenoperationen oder einer Radiojodbehandlung kann eine Unterfunktion auftreten.
  • Beschwerden bei Unterfunktion: Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Depression, Frieren, Gewichtszunahme, Haarverlust, trockene Haut, Verstopfung
Untersuchungsmethoden:
  • Blutuntersuchung - Hormonbestimmung: Regelhormon (TSH),
    Schilddrüsenhormon (T3 und T4)
  • Ultraschalluntersuchung - genaue Lage und Größenbestimmung
    von Knoten und Struma
  • Szintigraphie - Unterscheidung zwischen inaktiven „kalten“ und
    aktiven „heißen“ Knoten
  • Feinnadelbiopsie (Punktion) - Gewebeentnahme bei kalten Knoten,
    Untersuchung auf bösartige Veränderungen
Behandlung:
Standard der Strumatherapie ist die primäre Kombinationstherapie mit Jod und Schilddrüsenhormon. Eine Verkleinerung der Schilddrüse soll innerhalb von 6-12 Monaten erreicht werden. Danach ist meist die weitere Therapie zur Erhaltung der Wirkung erforderlich. Bei sehr großen Kröpfen, bei knotigen Veränderungen und bei älteren Patienten kann mit Medikamenten oft kein befriedigendes Ergebnis erzielt werden, sodass das zu viel an Gewebe dauerhaft entfernt werden muss. Hier kommt eine Operation in Frage, auch durch eine Radiojodbehandlung kann eine Strumaverkleinerung erreicht werden.

Bei der Überfunktion kann die Schilddrüse zunächst mit Medikamenten (Thyreostatika) gebremst werden. Dadurch normalisiert sich die Hormonkonzentration. Bei heißen Knoten muss allerdings langfristig das unkontrolliert hormonbildende Schilddrüsengewebe letztlich operativ  entfernt oder inaktiviert werden.

Sofern kalte Knoten durch die vorherige Feinnadelpunktion als gutartig bekannt sind, kann ebenso wie beim Kropf versucht werden, das Wachstum mit einer Kombination aus Jod und Schilddrüsenhormon zu bremsen. Da kalte Knoten inaktiv sind und kein Jod aufnehmen, ist hier eine Radiojodbehandlung nicht möglich.

Je nach Größe und Lage kann bei kalten Knoten eine Operation notwendig werden, z. B. wenn der Knoten andere Organe verdrängt.

Operationsverfahren:
Die Indikation zur Operation einer Schilddrüsenerkrankung muss jeweils individuell entschieden werden.

Das Ausmaß der Operation richtet sich nach der Grunderkrankung:
  • Knotenstruma - Entfernung aller Knoten (Ausmaß: Teilentfernung bis zur vollständigen Entfernung der Schilddrüse)
  • Morbus Basedow - Verringerung der Schilddrüsengewebes (Ausmaß: einseitig vollständige Entfernung des Schilddrüsenlappens und gegenseitig subtotale Entfernung)
  • Bösartige Erkrankung der Schilddrüse - Meist vollständige Entfernung der gesamten Schilddrüse und der umgebenden Lymphknoten
Aufgrund ihrer Häufigkeit gehören Schilddrüsenoperationen heute zu den Standard-Eingriffen. Mit modernen Techniken wie z. B. dem Neuromonitoring, ist die Schilddrüsenoperation ein risikoarmer Eingriff. Als Komplikation dieses Eingriffs sind vor allem Stimmbandlähmung (Rekurrensparese) und Beeinträchtigung der Nebenschilddrüsen zu nennen. Die Komplikationsrate liegt jeweils unter 1 %.

Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsen-Karzinom):
Schilddrüsenkrebs ist eine sehr seltene Erkrankung, die unter allen Krebserkrankungen nur etwa 1% ausmacht (3,1 Fälle/100.000 Einwohner pro Jahr).

Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Um Schilddrüsenkrebs rechtzeitig zu entdecken, müssen vor allem die kalten Knoten gut beobachtet werden: hier besteht bei etwa 5 % das Risiko der Krebsentstehung.

Man unterscheidet nach Ursprungsgewebe vier verschiedene Schilddrüsenkrebsarten mit unterschiedlicher Prognose:
  • Papilläres Schilddrüsen-Karzinom (66 %), Altersgipfel 40.-50. Lebensjahr,
    hier primäre lymphogene Streuung, im Allgemeinen sehr gute Heilungschancen
  • Follikuläres Karzinom (27 %), Altersgipfel 50.-60. Lebensjahr,
    hämatogene Streuung, gute Heilungschancen bei nicht metastasiertem Tumor
  • Anaplastisches Karzinom (4 %), Altersgipfel über 60. Lebensjahr,
    aggressives Wachstum mit früher hämatogener Streuung, ungünstige Prognose
  • Medulläres Karzinom oder C-Zell Karzinom (3 %), langsames Wachstum, aber frühzeitige lymphogene Streuung, gute Heilungschancen bei nicht metastasierten Tumoren
Warnhinweise des Schilddrüsen-Karzinoms sind schnell wachsende Knoten am Hals sowie eine plötzliche Heiserkeit, die Anlass für eine weitere Abklärung sein sollten.

Behandlung:
  • Operation mit meist vollständiger Entfernung der gesamten Schilddrüse und der umgebenden Lymphknoten
  • Radiojodbehandlung wird zumeist in Ergänzung zur Operation durchgeführt, um eventuell vorhandene mikroskopische Absiedlungen zu beseitigen.
  • Strahlen- und Chemotherapie kommt selten, z. B. bei Tumoren mit fehlender Radiojodspeicherung Anaplastische Karzinom oder bei diffuser Metastasierung zum Einsatz.
Informationen zur stationären Behandlung:
  • Vorstellung in der Sprechstunde zur Überprüfung der Indikation und Terminierung der Operation
  • Ambulante Vorbereitung der Operation am Werktag vor der Operation
  • Stationäre Aufnahme und Operation am gleichen Tag
  • Dauer der stationären Behandlung: 3-5 Tage

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